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WOLFGANG WELLER

DIE FEUERWORTE DES HELIOS

Vorbemerkung

Über die meisten dieser Apophthegmata ließe sich wohl ein eigener Essay verfassen. Die Anregung durch Zuspitzung des Gedankens zum jeweils eigenen Nachdenken beim Leser ist dem Autor durchaus willkommen.

Nützlich wäre es, diese Fähigkeit des Nachdenkens an Texten von Dichtern und Philosophen im Range etwa eines Hölderlin oder  Heraklit geschult zu haben. Ein gewisser Grad von Dandyismus in Haltung und Denken wäre zudem von Vorteil.

Der Autor nimmt begründeten Widerspruch zu den hypothetischen Apophthegmata des Sonnengottes gerne entgegen. Dabei wüßte er wie in der Musik auch in der Philosophie eine heitere Färbung des Gedankens zu schätzen.

 

info@wellermusik.de

 

 

1. Die Musen gehen nicht auf die Straße.

2. Symptom des Orientierungsverlustes: Seine Ernährung nach hygienischen und physiologischen Maßstäben orthorektisch auswählen und zugleich seine musikalische Nahrung aus den Abfallresten der Mülltonnen beziehen. → 24.

3. Nur der Künstler setzt den Maßstab.

4. Anspruch: "Musik muss mir Spaß machen!" - Replik: "Dann musst du Spaßmusik machen!" (Komparativ zu spaßig: spastisch)

5. Das gute Vorbild hat den passenden Abstand.

6. Nur ein Starker kann glaubwürdig und wirkungsvoll auf der Seite der Schwachen stehen. → 30.

7. Wer wissen will, was die Welt im Innersten zusammenhält, hält zunächst seine Sinne nach außen hin offen.

8. Anspruch: “Ich bin nach allen Seiten offen (open minded).” Replik: “Das läßt auf seelischen Durchlauf schließen.” Damit verbunden der Orientierungsverlust.

9. Das Weib ist, wozu es sich durch die Fantasie des Mannes machen lässt.

10. Die Weibchen mögen weise Männer - nicht.

11. Angemessene Behandlung für Besserwisser und Rechthaber: ihnen ihr Recht lassen - eine Strafe, von der sie zu ihrem Glücke oft nichts ahnen.

12.  Jede Art Parteinahme birgt ein Moment der Ungerechtigkeit.

13.  Dummköpfe nennen den Klugen arrogant - das ist ihr Alibi.

14. Mangelnde Autorität der Vorgesetzten verdirbt den Charakter der Untergebenen.

15. Dualismus: Wer sich nicht auf den Krieg versteht, versteht sich auch nicht auf den Frieden - vice versa.

16. Trauer: eine Art Wut über den Verlust eines vermeintlichen Besitzes.

17. Eigensucht: eine Form der Existenzangst. Mit ihr verwandt die Modesucht der "Selbstverwirklichung", der vor allem die Weibchen anheimzufallen geneigt sind. Diese überspielt und tarnt die Eigensucht. Aus ihr resultiert, besonders wahrnehmbar am Ende von Kulturen und Epochen, ein Verlust der Fähigkeit, sich zuzuneigen.

18. Die Griechen wußten, warum sie die Ehefrauen im Hause hielten: Frauen, die inspirierten, heiratete man nicht. Die Hetären inspirierten. Für den Drang  des musischen Menschen zum Hetärenhaften kennt man Beispiele. Der Musensohn ist für die Ehe, noch dazu, wenn sie monogam verstanden wird, allzu anarchisch veranlagt.

19. Wenn sich die Mißratenen Künstler nennen, so ist damit eine inflationäre Tendenz des Begriffes verbunden. Zugleich retiriert der eigentliche Künstler und hält sein Kapital zurück.

20. Krieger und Künstler: Beide verabscheuen die Zudringlichkeit und potentielle Übermacht des Materials. Der Krieger verabscheut den Einsatz von Maschinengewehr und Düsenflugzeug. Der Künstler verabscheut den Einsatz elektrischer Apparate. Beide besitzen weder Automobil noch Telephon.

21. Der Hohe steigt, will er wirken, herab.

22. Der Künstler muss kriegerische Eigenschaften entwickeln, will er wirken. Denn der Weg vom Parnass herab wird von Gesindel belagert.

23. Indispensabel für den Künstler und Vollmenschen: Leben außerhalb der Moral und ihrem notwendigen Schatten, der Unmoral. Den moralischen Maßstab  benötigen die Halbmenschen zur rechten Erhaltung ihres Höhlenlebens.

24. Das zudringliche Kennzeichen der Abfall-Musik und ihrer Vertreter sind die perfekten 'Public Relations’.

25. Die Laudatio eines Kunst-Professors erhebt ein Machwerk nicht zum Kunstwerk.

26.  Wer immer nur nimmt, vermag nicht zu empfangen.

27. Wenn Rache sich aus Generosität und Noblesse zusammensetzt, gerät sie zur Tugend.

28. Die drei Erbfeinde des Künstlers: Schulmeister, Bonze und Journaille.

29. Wer allem, was auf zwei Beinen läuft, den Ehrentitel 'Mensch' zuerkennt, unterliegt einer optischen Täuschung. Das Bild wirkt stärker als das Sein. Deshalb neigt man  in sich freiheitlich nennenden Staatsordnungen dazu, sogar den Unmenschen menschlich zu sehen. Daher rührt das abnehmende Unterscheidungsvermögen zwischen Verbrechen und Krankheit.

30. Der Mißratene mißtraut der Macht des Starken zu seinem eigenen Nachteil.

31. Nicht jedes Problem eignet sich für einen Lösungsversuch: zuweilen bringt die Zerstörung  des Problems die gewünschte Reinigung.

32. Die Toleranz ist dem Respekte hinderlich.

33. Kunst ist ihrer Natur nach aristokratisch. Der Versuch, sie zu demokratisieren, läßt sie am Ende in die Putzeimer der Hausfrauen und die Bierkrüge der Biedermänner fallen.

34. An die Musik-Erläuterer: Wer musikalisch etwas zu sagen hat, der halte zuallererst das Maul - es sei denn, er wäre Sänger!

35. Eín Kennzeichen des Kunstwerkes ist es, einzigartig zu sein.

36. Demokratische Definition: Kunst ist, was die meisten mögen und das meiste Geld einbringt - weniger dem Künstler, sondern dem der sie verkauft.

37. Künstler an die Demokraten: Es ist noch kein Kunstwerk durch Mehrheit der Stimmen bestimmt!

38. Der Philosoph verdient seinen Titel nicht, der sich zu einer bestimmten philosophischen Richtung bekennt. Vollends peinlich wird für ihn das Bekenntnis zu einer bestimmten Religion.

39. Gewisse “Musik”-Stile können nicht existieren ohne die Zufuhr elektrischen Stromes. Sie sind Erfindungen unmenschlicher, dunkelmächtiger Technokraten und Scharlatane. Die kulturelle Wirkung ist die Barbarisierung und Verwahrlosung ganzer Bevölkerungsschichten, die das Gehör und die Orientierung verloren haben. Mit diesen Beschränkten ist kein Gespräch möglich. Man kann sie allenfalls für sich arbeiten lassen.

Adnote:

Pindar, 1. Pythische Ode, v. 25-27 in Friedrich Hölderlins Übersetzung, Fassung aus den Segmenten, zitiert nach FHA, XV, p. 366/367:

“Die aber nicht liebgehabt Zeus
Denen ekelt an der Stimme
Der Geistergöttinnen, auf dem Pierion blasend.”

 

40. Der barbarischen Lärm- und Bilderflut der Endzeit sich zu widersetzen absorbiert immer mehr Energie der wenigen verbliebenen Edlen. Ist das die Absicht der Fellachen? Remedium: alles widerstandslos durch sich hindurchgehen lassen. Dagegen die Flucht: die wäre Feigheit.

41. Ein Zeichen der Endzeit und des kulturellen Zusammenbruchs: die öffentliche Zurschaustellung baren Ekels durch Theater- Opern- und Filmregisseure. Regisseure des Ekels. Die Subvention durch öffentliche Mittel des demokratischen Staates läßt Rückschlüsse auf dessen maroden Zustand zu. Die Mißratenen jubeln auch hier. Ekelmenschen.

42. Deutsche Frauen der Endzeit: “Mein Bauch gehört mir!” Angemessene Replik: “Na, dann behaltet ihn auch mal schön für euch allein!” Anschließend der Gang in ein ausländisches Lupanar.

43. Die Emanzen der Endzeit zogen sich eine Generation von hündischen Männern heran. Resultat waren zwei Geschlechter von Unbefriedigten, emotional Kastrierten.

44. “Ich liebe Musik!” - “Wieso hörst du dann Musik beim Autofahren?”

45. Deutsch-Nacht.

46. Aggression: zerstörerisches Herangehen.

47. Die Informationsflut erzeugt keine Wissensflut beim Einzelnen. Er muss im Gegenteil immer mehr Informationen glauben. Die Abnahme echten Wissens ist die mögliche Folge.
Nachtrag 2009: Der Informationsflut folgt konsequent die Informationszensur. In der Folge darf man keiner Information mehr vertrauen. Dieser Vertrauensverlust wiederum kann die Staaten in ihren Grundfesten erschüttern.

48. Ein Wesenszug des Künstlers ist sein Streben nach Vollkommenheit in dem Bewußtsein, sie nie zu erreichen - sie nie erreichen zu dürfen. Die Natur ist unvollkommen und ermöglicht durch Brüche in der Ebenmäßigkeit von Strukturen und Gesetzmäßigkeiten überhaupt erst das Entstehen von Kosmos und Leben. Die Perfektion an sich ist steril.

49. Anleitung zur Übernahme der Weltherrschaft:
Überlasse die Völker der Selbstregierung und warte, bis dadurch ein amorpher Pöbel entstanden ist. Konzentriere das Kapital der Welt auf dich und deine kleine Organisation und mache diese Völker von ihm abhängig. Sorge für ein Nachrichtenmonopol und nehme den Menschen das Nachdenken ab durch Infotainment. Infantilisiere die Menschen durch krude Talkshows und schwachsinnige Daily Soaps im Fernsehen. Zur Destabilisierung menschlicher Beziehungen verbreite mit Hilfe von Psychologen den Aberglauben, zu Liebe, Erotik und Sex gehöre unabdingbar Aggression. Zur Überwachung jedes Individuums verbreite unbemerkt milliardenfach Mikrosender. Eliminiere störende Volksgruppen durch neu entwickelte Viren und ähnliche Segnungen der Postmoderne und sprich von einer neuen Weltordnung, in der es die Überlebenden besser haben werden als je zuvor. Behaupte, ein vom Menschen verursachter katastrophaler Klimawandel stünde bevor und stelle diesen zum Anlaß vor, die neue Weltordnung beschleunigt herbeizuführen.

50. Am stärksten ausgeprägt scheint der Wille zur Macht bei den Technokraten. Sie nehmen die Haltung der Titanen ein. Da sie vom Mythos nichts mehr wissen, haben sie von ihrem Ende keine Vorstellung.

51. Pressezensur. Die Presse zensiert Personen und Ereignisse. Wer zensiert endlich die Presse?

52. Der Wille zur Macht: Ausdruck purer Existenzangst.

53. Umgang mit Machtmenschen: nötigenfalls in die Schranken weisen, dabei sein Mitleid für sich behalten.

54. Bedenkenträgertum und Demokratismus verhindern am Ende jede Verbesserung im Sozialgefüge einer Gesellschaft.

55. Der Gott, dem etwas an der Menschheit gelegen ist, muß zuerst deren Gegner kennen und benennen, um erfolgreich auf ihrer Seite stehen zu können.


56. Kosmos: schmuckvolle Ordnung.

57. Aufgehoben im Schönen und Guten.


58. In gewissen Kreisen gelten Musiker als intellektuell, wenn sie nur Noten lesen können und womöglich noch ihr Instrument zur Not beherrschen.

59. Es läßt sich im 21. Jahrhundert nicht mehr über künstlerische Qualitäten sprechen. Der Dialog und die früchtetragende Kontroverse scheitern an der Arroganz, mit der die subjektiven Gefühlchen vorgestellt und verteidigt werden: stupides Amateur- und Laientum, von dem mittlerweile alle Bereiche betroffen sind. “Dagegen kämpfen selbst Götter vergeblich”.

Epilog

60. Das vor fünfunddreißig Jahren Geahnte und Absehbare in Kunst und Volk ist eingetreten. Es half keine Art  von Gefecht, doch hat man seine Pflicht getan. Die Starken schufen sich ihr Refugium und pflanzen dort heiter ihre Apfelbäumchen.

 

Die folgenden Jahre werden der Formulierung des dritten und letzten Teiles der ‘Feuerworte’ gehören. Mit ihm wird der Kulturkritik der letzten dreißig Jahre des Autors der Ansatz zur Lösung der angesprochenen Problematik an die Seite gestellt werden. Die Feuerworte II/56, 57 weisen bereits einen Weg.

 

WOLFGANG WELLER

DIE FEUERWORTE DES HELIOS

TEIL III

2007 - 2015

1. a. Niemand hat das Besitzrecht an der ultimaten Waffe.
1. b. Kein Besitzer der ultimaten Waffe hat das Recht, anderen den Besitz der
ultimaten Waffe streitig zu machen.

2. a. Aus Heloten werden keine Spartaner.
2. b. Doch gibt es Fälle, in denen ein Spartaner zum Heloten degeneriert, weil er
sich mit Heloten gemein machte - eine Form von Asthenie oder gar
Geisteskrankheit.
2. c. Homer tat nicht ohne Grund des begleitenden Genossen des Thersites,
Asthenes, keine Erwähnung.

3. a. Völker, die schnell und leicht durch Harmlosigkeiten zu beleidigen sind: als
Schild tragen sie ihre Religion und ihr vermeintliches Zu-Kurz-Gekommen-
Sein in der Weltgeschichte voran.
3. b. Man sollte diese geistige Behinderung mancher Völker ernst nehmen und
ihnen zugleich klar machen, dass sie deswegen keine Sonderstellung in der
Völkergemeinschaft beanspruchen müssen.
3. c. Denn sie werden doch wenigstens von ihren eigenen Göttern geliebt.

4. Das Glück, keiner Philosophie, keiner Ideologie und keiner Religion folgen zu
müssen, darf in die Welt kommen – nachdem sich die Unglücklichen
gegenseitig neutralisiert haben.

5. Der „Smalltalk“ kann ein probates Mittel zur Erzeugung von mentaler Distanz
zum Gegenüber sein.

6. a. Der Künstler von Rang zeigt nicht, was er kann.
6. b. Denn er lenkt die Aufmerksamkeit nicht auf sich, sondern auf das zu
vermittelnde Kunstwerk.
6. c. Der Artist hingegen schreitet Beifall heischend in die Zirkusarena.

7. Auch für Leute, die sich nur an dem mit Musik verbundenen Geräusch
delektieren, darf es angemessene akustische Absonderungen geben.

8. Die Notwendigkeit zur Mobilität ist dem Eigentlichen hinderlich.

9. Nicht das zur Geburt Drängende hindern!

10. a. Mangel an Noblesse drückt sich im Drang zur Velocität aus.
10. b. Der Sklave muss sich beeilen.

11. a. Wer der Gewaltmusik folgt, bezeugt zunächst seinen Drang nach
und seine Freude an Selbstdestruktion.
11. b. Er bezeugt aber auch einen weit über sich selbst hinaus gehenden
mitleidlosen Vernichtungswillen.
11. c. Im demokratischen Staat, in welchem der Pöbel den Ton angibt, lässt sich
dagegen nichts ausrichten.
11. d. Ausweichen, so weit es es geht, und die Gewaltigen sich ihrem Glücke
überlassen - “dance or die” oder gewaltiger noch: “dance and die”.
11. e. Kommentare von Moralisten und ihr Mitleid erübrigen sich dabei.

12. Die Impertinenz der Elenden, andere für ihren Untergang verantwortlich machen
zu wollen, ignorieren.

13. a. Wohlwollen legen bestimmte Charaktere instinktiv als Schwäche aus.
13. b. Daraus erwächst ihre Keckheit, sogar Unverschämtheit.
13. c. Das Glück einer solchen Ent-Täuschung sollte man nicht durch
Entgegenhalten schmälern.

14. Friedrich Nietzsche: geschwächt durch Krankheit suchte er Heilung durch
starke Sprüche - wer wollte es ihm verdenken?

15. a. Die eigene Sprache wird nicht immer verstanden.
b. Am besten: Die Sprache der Freundlichkeit, des Wohlwollens und der Güte.
Die Sprache der Weisheit und der Vernunft. Die Sprache der Kraft und
der Tapferkeit.
c. Will man dennoch vom Gegenüber verstanden werden, kann man es mit
dessen Sprache versuchen.
d. Einige wenige verstehen nur die Sprache der Gewalt. Deren Sprache
anzuwenden, ist mit Ekel verbunden, doch manchmal notwendig, etwa im
Falle der Notwehr.

16. Fähigkeit zum Respekt: ein Gradmesser für Charakter, Bildung und Intelligenz.

17. Der Gott als Automat: oben werfen sie Gehorsam und Glauben ein und
erwarten, unten komme ein schmerzfreies, gelungenes Leben heraus.

18. Deutschland - Soziopathie der Angst.

19. Das Sich-Einlassen auf die Wissenschaften bewirkt im entsprechenden Maße
die Verengung des eigenen Zuganges zu den Musen und mindert Umfang und
Qualität musischen Schaffens.

20. Kritisiere in Deutschland die Auserwählten, und der gesellschaftliche und
politische Tod ist dir sicher.

21. a. Der Begriff ‘Kultur’ wird in Anbiederung an Wertvolles inzwischen für
alles mögliche unterschiedslos benutzt. Bierkultur, Streitkultur, Fankultur,
etc.
b. Dadurch hat seine Obsolenz den Grad angenommen, auf dem der
Begriff ‘Künstler’ seit langem sich ansiedeln muss.
c. Für den eigentlichen Künstler, dem einst die Sicherung und Hebung der
Kultur anvertraut war, erhebt sich damit die Frage nach der
Bewahrung seines Seins - ob im Rückzug oder in der Aktion.

22. “Musik für die Jugend” - warum muss diese laut und schlecht sein? Welches
verderbliche Kalkül steckt dahinter? Und wer steckt es?

23. Der Pöbel liebt es laut.

24. a. Wer einen Gott zum Fürchten hat, darf ihn ohne Bedenken entsorgen.
b. Leben und Sterben gelingen ohne Fürchtegott.

25. a. Es gibt Staaten, deren Verfassung oder Grundgesetz die körperliche
Unverletzlichkeit ihrer Bürger nicht garantieren kann oder will.
b. Körperverletzung an Kindern gar fällt aber nach dem universellen Gesetz in
die Kategorie der Schwerverbrechen. Angemessen die Strafe.
c. Berufung auf religiöse oder kulturelle Tradition wirkt strafverschärfend.

26. a. Um Grenzen zu überwinden, muss man zuerst an sie herangehen.
b. Ingressus - Aggressus - Transgressus.

27. a. Durch Professorenhirne Gefiltertes verliert Substanz.
b. Dagegen die Autonomie des Denkens, Lernens, Forschens und Übens.

28. a. Arbeit ist keine Tugend, sondern sie kann eine Notwendigkeit sein.
b. Not gebiert nicht Tugend, aber Tugend kann der Not gebieten.
c. Wer jedoch sein Leben primär durch Arbeit definiert und rechtfertigt, ist in
Lebensnot. Die Therapie ist schwierig.
d. Der Künstler arbeitet nicht, er schafft.
e. Im Schaffen sind seine Tugend und sein Glück eingebettet.

29. a. Eine schwierige Übung ist es, gegenüber einem als dumm eingeschätzten
Menschen höflich und freundlich zu sein.
b. Die Schwierigkeit der Übung steigert sich noch, wenn dieser Mensch sich
auf seine Dummheit etwas zugute hält und daraus gar ein
Überlegenheitsgefühl bezieht.
c. Dieser Art von Dummdreistheit ist beim Pöbel, besonders wenn er,
wie in neuzeitlichen Demokratien üblich, an herausragenden Stellen der
politischen Macht sitzt, nicht einmal mehr mit Missachtung zu begegnen.
d. Man kann nur zuwarten, bis dieser über seine eigene Dummheit fällt.
e. Bei diesem Fall sollte man allerdings nicht im Wege stehen.

30. a. Die Verschulung der Gesellschaft in Form der Verzifferung der Leistungen
von Menschen nimmt immer unheimlichere Züge an.
b. Der Wert oder Unwert eines Lebenslaufes hängt in einer solchen
Gesellschaft von dieser Ziffer ab.
c. Das führt bei immer mehr Individuen zu unerhörter Selbstdisziplinierung, die
in dem Moment wegfällt oder sogar ins Gegenteil umschlägt, wenn die
Bedrohung durch die Ziffer in einem Bereich oder Moment wegfällt.
d. Gewiefte Pädagogen übrigens nennen diese Ziffern euphemistisch:
“Rückmeldung”.

31. a. Die mittelalterliche Regel: “ora et labora et lege” wird zu Zeiten, wenn dem
labor weniger Bedeutung beigemessen wird als dem mos, variiert: “ora et
lege et caede” - neuerdings besonders nach freitäglichen Gebeten.
b. Beten und Lesen sind nicht grundsätzlich Vertrauen erweckende Tätigkeiten.

32. a. La Grande Terreur - im 21. Jahrhundert herrscht sie global.
b. Der Globus gärt vor Tugendbolden, Heiligen, Besserwissern und
Missionaren in sämtlichen Bereichen.
c. Doch wird der große Tugendterror aus Erschöpfung, Hunger und auch
Widerstand nicht lange währen.
d. In Deutschland ängstigt man sich derweil zu Tode und beugt eilfertig das
Haupt - La Grande Angoisse.

33. a. Ein rechter Mann erträgt ein tüchtiges Maß an Ungerechtigkeit.
b. Das Feldgeschrei der Gerechtigkeitsfanatiker, die schon bei der geringsten
Form von Ungleichbehandlung Verrat und Unrecht wittern, widert ihn an.
c. Die Gerechtigkeit als Goldenes Kalb der Moralisten
und Zu-Kurz-Gekommenen.

34. Der Nobelpreis für Literatur. Ein Autor, der auf sich hält, ist jedes Jahr auf’s
Neue dankbar, wenn er nicht mit der Frage nach dessen Annahme
belästigt wird.

35. a. Der Stänkerer. Bereits Homers Vorgänger benannten den Typus: Thersites.
b. Zu seiner Zeit schlug man das Geschmeiß mit dem Prügel in den Rücken.
c. In der technischen Welt sind die Methoden subtiler: man schaltet es aus.

36. a. Cogito ergo sum. Diesen schmalen Irrtum des Cartesius erforderte dessen
Zeit. Er setzte sich fort bis ins 21. Jahrhundert.
b. Sentio ergo sum. Dies hätte zwar keine Atombombe, allerdings auch keine
Weltraumfahrt zur Folge gehabt; statt dessen eher globale Glaubenskriege.
c. Rationalen Vivisektoren ist grundsätzlich zu misstrauen - irrationalen
Glaubenskriegern ebenfalls.
d. Glaubenssätze kranken an ihrer Ausschließlichkeit.
e. Sentimus et cogitamus ergo esse possimus.

37. a. “Die Würde des Menschen ist unantastbar” - sofern vorhanden.
b. Mancher lässt sich noch nicht einmal zu seiner Würde verhelfen.

38. a. Jazz. Versuch asymptotischer Annäherung an die musikalische Null-Linie -
von unten. “Es leckert nach Musik”.
b. Rock, Pop und andere Zivilisationskrankheiten: hier wird noch nicht einmal
der Versuch einer Annäherung an die musikalische Null-Linie unternommen.
c. Je demokratischer ein Staat, desto mehr fördert er solche Art, möglichst mit
dem Hinweis auf “Kreativitätsförderung” der Jugend.
d. Die Kenntnis einer Kunst der Fuge oder einer Hammerklaviersonate ist in
solchen staatlichen Gebilden eher unerwünscht. Statt dessen: Pop-Akademie.

39. Religion, Philosophie und Ideologie machen aus einem Schwein keinen
anständigen Menschen.

40. a. Aus Lebensangst und Todesfurcht legen Menschen sich Ihre Fürchtegötter-
Religionen zurecht.
b. Im Furchtlosen und Anständigen erkennen die Vertreter der Religionen
ihren natürlichen Gegner - den sie wiederum fürchten.
c. Eine liebende Gottheit braucht und fordert keine Opfer.
d. Der unanständige Verbrecher als Schreibrohr einer Gottheit: die
versuchte Disqualifikation des Anständigen
e. In der Kultivierung seelischer und körperlicher Verstümmelungen
offenbaren Religionen ihr atavistisches Barbarentum.

41. a. Sich eine vom Gemeinsinn abweichende Haltung und Gesinnung zu
leisten, ist für den Einzelnen durchaus unkomfortabel.
b. Diese Haltung und Gesinnung gar nach außen zu tragen, ist für den
Einzelnen sofort mit Gefahr für seine Existenz verbunden. Diese Gefahr
steigt proportional zum Grad der Deviation.
c. Darin gleichen sich Tyrannis und Demokratie - mit dem Unterschied, dass
in der Demokratie Duldung geheuchelt wird, die Tyrannis hingegen ihre
Unduldsamkeit freimütig bekennt.
d. Sodom, Abdera oder Berlin sind überall und zu allen Zeiten. Dem Edlen
bleiben seine Haltung und das innere Exil.

42. Staaten und Völker mit der Todes- oder einer sonstigen Körperstrafe in Ihrem
Rechtssystem haben kein Recht, Menschenrechte für sich oder andere
einzufordern.

43. a. Wer immer die disparaten Begriffe ‘Kultur’ und ‘Streit’ zu dem
per se unmöglichen Begriff ‘Streitkultur’ zusammenklebt, wird von
deutschen Tölpeln für intellektuell gehalten.
b. Dagegen zu halten ist die Kunst der Konversation. Hierzu jedoch mangelt es
diesen Tölpeln an Bildung des Geistes und des Herzens. →? 21.

 

Seit 2014

44. Kunst schafft man, produziert sie nicht.

45. a. Rechtschaffene Götter haben immer Sprechstunde.
45. b. Von Bürokraten eingerichtete minutengenaue Gebetszeiten nehmen sie
allenfalls mit gutmütigem Humor hin.

46. a. Armut ist kein ethischer Wert an sich.
46. b. Armut ist ein Symptom des Mangels.
46. c. Armut zur Tugend erhoben verhindert gedeihliches Wachstum.

47. Kunst hat unter der Kuratell von Bürokraten und Plutokraten einen schweren
Stand. Innere Gefahr droht ihr durch Scharlatane, Nenn-Künstler und andere
uneingeweihte Adepten.

48. Ein Irrtum, zu glauben, die erfolgreiche Absolvierung eines akademischen
Studiums gehe einher mit dem Erwerb von Bildung.

49. a. Die friedensbewegten, Lichterketten bildenden Kerzenhalter nehmen gerne
die Diktatoren in Schutz.
49. b. Ihr Instinkthaß gilt den sich diesen Entgegenstellenden.
49. c. Sie respektieren angstvoll die Ziele von Unmenschen und verachten die sich
diesen Entgegenstellenden.
49. d. Diese Haltung nennen sie stolz ‘Pazifismus’.
49. e. Die ihnen diese luxuriöse Haltung ermöglichen und sich für sie die
Hände schmutzig machen, beschimpfen sie als Kriegstreiber. Das halten sie für
‘Moral’.
49. f. Das Erwachen aus dieser Selbstüberheblichkeit wird brutal und teuer werden.

50. Der kollektive Mißbrauch von Musik als Droge führt eher zum Untergang
des Staates als jede andere Droge.

51. a. Meinung ist unverbindlich. Deshalb gilt Meinungsfreiheit als billiges
Grundrecht.
51. b. Überzeugung hingegen ist verbindlich und erfordert persönlich Haltung.
Deshalb ist Überzeugungsfreiheit in keiner Staatsordnung vom politischen Konsens
legitimiert.
51. c. Der politisierte Pöbel und der politische Pöbel erkennen instinktiv den
Unterschied und bemerken die Gefahr, die von der Überzeugungsfreiheit für sie
ausgehen. Diese niederzuschreien ist noch die harmlose Variante.

52. Musik ist niemals politisch - die unterlegten Texte sind es.

53. Auch eine typisch deutsche Angst: die kulturelle Höhenangst - von unten.

54. a. Sprachpolizei - Religionspolizei - einerlei.
54. b. Die einen sprengen unliebsame Kulturdenkmäler, die anderen
streichen unliebsame Wörter aus Kinderbüchern: der gleiche Typus.

55. a. Von den sogenannten Buchreligionen den ausgeprägtesten Sinn für
schwarzen Humor hat  der Islam.
55. b. In gut sortierten Bibliotheken ist der Koran unter dieser Rubrik eingestellt.
55. c. Allerdings gibt es ältere Vorbilder; das faschistoide Prinzip ist allen gemein.

56. a. Mit dem Monotheismus kamen die Religionskriege in die Welt.
56. b. Die Angewohnheit der polytheistischen Griechen, “dem unbekannten Gott”
ein Denkmal zu weihen, berührt hingegen sympathisch.
56. c. Die Antike kannte keine Religionskriege.

57. a. “Der Klügere gibt nach” - das wünscht sich der Dümmere.
      b. Gibt der Klügere nach, ist er der Dumme.
      c. Wer eigentlich regiert die Welt?

58. a. Flächige Bombardements bewohnter Städte sind Kriegsverbrechen.                     b. Allerdings wird nur der Verlierer eines Krieges Kriegsverbrechen
beschuldigt, denn der Sieger definiert das Kriegsverbrechen.
     c. Die Aufräumarbeiten sollte der Verursacher bezahlen, doch nur der Sieger schickt die Rechnung, die der Verlierer nicht zu schicken wagt.

59. Den höchsten Zinssatz aller Anlageformen erbringt sofort und auf Dauer die persönliche Arbeit.

60. Literarische Blechtrommelei steht bei den Laokraten hoch im Kurs.

61. Viele erwartet eine Überraschung: im Jenseits gibt es keine Religion.

62. Geht es an das Erben, ist er schnell ab - der christliche Lack.

63. Nicht vom Einzelnen auf das Ganze schließen: der vom Felsstock abgeschlagene Stein hat einen Prozeß der Individuation erfahren. Ihn allein zu betrachten, läßt allenfalls trübe Rückschlüsse auf den Mutterfels zu.

64. Sisyphos streikt nicht. Er geht unbeirrbar und tapfer seinen Weg bis zur Abnutzung - des Steines.

65. a. Das Tabu dient der Vorstellung und dem Erhalt der Macht.
      b. Die Wahrheit über den Ursprung der Macht erfährt man durch den Bruch
          des Tabus.

66. a. Die Faschisten haben sich grün angestrichen. Damit konnten sie manche
          täuschen. Ein teurer Irrtum.
      b. Von der Mehrheit des Volkes keineswegs legitimiert spreizen sie sich in
          den Parlamenten.

67. a. Auf die Rechtsradikalen dreschen sie ein, während die Linksradikalen im
          Parlament sitzen.
      b. Die Mittelbürger und die Kultivierten schauen dem Treiben angewidert, aber
          tatenarm zu.
      c. Die restlichen Schritte zum Untergang unternehmen die Grandgoschiers der
          Regierung.

68. a. Manche verwechseln die Aktie mit dem Lotterielos.
      b. Der Lotterieeinnehmer macht den Gewinn, solange die Glücksritter bei ihm
          einkehren.

69. a. Eine unsichtbare intelligente und vermögende Elite lenkt die stumpfe
         demokratische Masse mittels nicht gewählter Institutionen, die sie sich von
         dieser mittels Steuern und Abgaben bezahlen läßt.
     b. Besonders unangenehm wird die Lage, wenn Demokraten, aus welchen
         Gründen auch immer, Zugang zur Elite und ihrer Macht finden.

70. a. Ein Weißer darf in Afrika Weißer genannt werden, ohne daß irgendjemand,
         einschließlich des Weißen, auf die Idee käme, dies sei ein rassistischer
         Terminus. Ebenso verhält es sich beispielsweise mit dem Begriff ‘Langnasen’
         in Ostasien.
     b. Die Zeit ist vielleicht nicht mehr fern, da es in Deutschland rassistisch wirken
         und deshalb verpönt sein wird, wenn man von Bayern oder Schwaben oder
         Sachsen spricht.
     c. Die Sprach- und Gedankensäuberer läßt man gründlich ihr Werk verrichten:
         Schriften von Autoren, auch bedeutender und verstorbener, durchforsten sie
         nach unliebsamen Wendungen, säubern sie von ihnen und ersetzen sie durch
         wohlgefälligere. Auch in Deutschland forsten sie mit Eifer.
    d.  Merkwürdigerweise zeigen die gleichen Leute mit dem Finger auf die
         Säuberungsfanatiker einer reinen Lehre im Orient, nur weil diese mit weniger
         subtilen Methoden ihr Ziel verfolgen.
    e.  Diktaturen aller Art sind global unter dem Deckmantel der allgemeinen
         Wohlfahrt auf dem Vormarsch oder haben sich schon fest in Staaten und
         Gesellschaftsordnungen installiert: politische Diktaturen,
         Gesinnungsdiktaturen, Moraldiktaturen, Religionsdiktaturen,
         Wirtschaftsdiktaturen, Kulturdiktaturen, technokratische Diktaturen.
         Aus der Masse und Vielfalt der Diktaturen folgen unabdingbar globale
         kriegerische Auseinandersetzungen.
    f.  Die offen dagegen halten, setzen ihre Existenz aufs Spiel und ändern wenig.
        Die nach innen Emigrierenden ändern nichts, halten ihr Kapital zurück und
        dürfen, so immerhin der Trost, auf guten Zeitgeist hoffen.
        Jeder nach seiner Art.

 71.  Weltnacht. Helios wendet sich. Die Hoffnung bleibt.


ENDE DER FEUERWORTE DES HELIOS
UM DIE ZEIT DER SONNENWENDE
ANNO 2015