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SIXT BACHMANN
Am 8. Januar 1989 war Wolfgang Weller im Rathaussaal zu Munderkingen Solist des zweiten Klavierabends der Reihe "Das Klavierwerk von Sixtus Bachmann“. Der erste Klavierabend dieser Reihe, ebenfalls
veranstaltet von der VHS und dem Geschichtsverein Munderkingen mit Wolfgang Weller als Solist, hatte bereits am 8. November 1987 stattgefunden. Hier die EinfĂĽhrung zum zweiten Abend.
Das Klavierwerk Sixt Bachmanns (*1754 bei Illertissen, +1825 in Reutlingendorf) wird derzeit dem Schlummer in Bibliotheken entrissen. Und immer mehr Werke tauchen - Manuskript geblieben - auf und finden ein
dankbares Publikum. Als Neunjähriger beherrschte Bachmann schon über zweihundert Klavierstücke und konnte sich in einem musikalischen Wettstreit mit Mozart rühmlich behaupten.
Zur Aufführung gelangen die "Dix Fugues célèbres", die in besonderem Maße den Grad der Begabung Bachmanns und seine Experimentier- freudigkeit zeigen. Es ist keine Fuge sebastianischer Art
dabei, sondern dieselben sind stark homophon geprägt. Auch Alberti-Bässe werden nicht gescheut, es wird ausgiebig chromatisch coloriert und der Hang zur Schluß-Apotheose eignet besonders den Dur-Fugen. Ein Unicum in der gesamten
Literatur die siebte Fuge: sie beginnt zweihändig und geht nahtlos in eine vierhändige Fortsetzung über, was aufführungstechnische Probleme aufwirft. Manchmal will es scheinen, daß der Meister, wenn er an kompositorische Grenzen
gerät, um schrullige Einfälle nicht verlegen ist. Der Reiz des Sonderbaren spricht auch aus der zehnten Fuge "alla Zoppa", d. h. ein Tanz mit regelmäßig wiederkehrendem jambischem Rhythmus oder auch synkopierter Gegenstimme.
Weitere Werke sind die Sonaten Nr. 2 (mit einem "Menuetto alla Zoppa”) und Nr. 6, eine vierhändige Sonatine und drei Sopranlieder von erstaunlicher Qualität im Mozart-Haydn-Stil auf moralisierende
Texte von Claudius. Das Konzert endet mit einer "Arlequinade", ein umfangreicheres KlavierstĂĽck mit buntgwĂĽrfelter Satzfolge nicht etwa lustigen sondern humorigen Inhalts bei insgesamt nobler Haltung. Die meisten StĂĽcke
werden - vermutlich in Uraufführung – aus den (fotokopierten) Manuskripten gespielt.
© Wolfgang Weller
Programm des 1. Klavierabends vom 8. November 1987
Sonata per il Fortepiano o Cembalo Allegretto Scherzando
Adagio Allegro molto Andante
Alla capriccio
Fantasia prima a-Moll
Fugue célèbre Nr. 1 d-Moll
Allegro assai F-Dur
Sonata per il Fortepiano o Cembalo C-Dur
Fantasia secunda C-Dur
Allegretto „auf den oberen Tasten”
Capriccio: Andante grazioso – Brusquemente, allegretto – Tempo primo- Andante mit 11 Variationen
Poco Adagio d-Moll
Sonate pour le Pianoforte Ouvre I g-Moll (1789 Allegro moderato Adagio
Allegretto
Programm des 2. Klavierabends vom 8. Januar 1989
Sonata II h-Moll Allegro Lento Menuetto alla Zoppa
Dix Fugues célèbres Fuga prima d-Moll, Allegretto Fuga secunda C-Dur, Andantino
Fuga tertia g-Moll, Adagio Fuga quarta D-Dur, Allegretto
Sonata VI e-Moll Allegro Andantino
Andante innocente (Thema mit 7 Variationen)
Dix Fugues célèbres Fuga quinta f-Moll, Lento Fuga sexta C-Dur, Allegrino
Fuga septima F-Dur, Andante; attacca:
Sonatine Ă 4 mains Adagio Allegro
Drei Lieder für Sopran und Klavier „Der Schwarze in der Zuckerrohrplantage“ (Matthias Claudius)
Aus dem Zyklus „Der verlorene Sohn“: Nr. 1 „Die elenden Zuständ“ (Lukas 15/11)
„Der Mensch lebt und besteht nur kleine Zeit“(Matthias Claudius)
Dix Fugues célèbres Fuga octava B-Dur, Maiestoso Fuga novena Es-Dur, Lento
Fuga decima A-Dur, Alla zoppa
L’Arlequinade:
Adagio - Lento amoroso - Allegretto - Presto - Recit. Andante - Allegro molto - Recit. Andante - Allegro molto - Inglese - Adagio lamentoso - Allegro - Lento - Menuetto - Allegretto - Finale Allegro
moderato.
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